Träger der Sebastian-Sailer-Medaille

2001: Helmut Pfisterer

2005: Manfred Rommel

2008: Fritz Schray und Egon Rieble
  Helmut Pfisterer (geb. 1931)

   


Laudatio:

"Geboren wurde er 1931 in Leonberg. Über die Muadrschproch, die ihm seit jeher wichtig war, sagte er unter anderem vor vielen Jahren:

"Wenn da von Leonberg nach Eltinga kommsch / hosch , wenn da hoimgohsch / Tascha voll/ mit laudr neie Wörter / grauziche drbei ".

Gymnasiast, Feinmechaniker, Ingenieur, er wird schließlich Schulmeister und unterrichtet als Berufsschullehrer vier Jahre im Iran und in Afghanistan. Von dieser Zeit erzählen die Geschichten in seinem ersten Buch "Die Liebe des Muezzin".

1975 erscheint bei Holland und Josenhans "Bildreihen für die Grundstufe Metall, Arbeitsbuch und Lehrerausgabe". Das Buch erscheint 1982 bereits in 4. Auflage. In der Fremde entdeckt er die Lust am heimatlichen Dialekt. Vermutlich auch aus Heimweh entstehen erste Texte in schwäbischer Mundart. Dann folgen, wieder in der Heimat, wo er bis zu seiner Pensionierung als begeisterter Berufsschullehrer tätig ist, in rascher Folge zahlreiche Bücher, Hörspiele und Stücke:

"Weltsprache Schwäbisch", "Komm, gang mr weg!", "Schwäbisch – Varianten einer Weltsprache", "Brauchvers".

Diese Bücher kommen beim Publikum glänzend an. Durch sein Rezitationstalent und seinen fulminanten Vortrag wird er rasch ein vielgefragter und begehrter Künstler, den man ständig bei allen möglichen Gelegenheiten erleben kann, auf Kleinkunstbühnen bei Vernissagen, und, und...

Von herausragender Bedeutung ist sein großes persönliches Engagement für die Belange der Schriftsteller in Baden-Württemberg. So war er von 1985 – 1991 Vorstandsmitglied im Stuttgarter Schriftstellerhaus e.V., wobei er neben der Betreuung von Stipendiaten und Gästen immer auch als Ansprechpartner für Kolleginnen und Kollegen fungierte.
Von 1988 bis 1991 war er Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schriftsteller in Baden- Württemberg, dem er heute noch angehört. Neben den vielfältigen Aufgaben, die dieses Amt mit sich bringt, ist es seiner Idee und seiner Initiative zu verdanken, dass die S-Bahnen des Verkehrsverbundes Stuttgart mit Gedichten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Baden-Württemberg geschmückt waren.

1991 erhielt er den Schubart-Preis der Stadt Aalen. 1995 wurde ihm in Würdigung seiner Verdienste um das Gemeinwohl das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Trotz aller Erfolge bleibt er ein bescheidener, liebenswerter Mensch, der für seine Mitmenschen stets ein freundliches Wort hat und viele junge Künstler aufmunternd unterstützt hat. Besonders beeindruckt seine Lauterkeit, seine Geradlinigkeit. Liebedienerei ist ihm fremd, Charakterstärke selbstverständlich.
Als Genussmensch dem prallen Leben nie abgeneigt, man lese nur seine
Liebesgedichte, hat er bei allem Fleiß stets verstanden, dem Dasein auch die schönen Seiten abzuringen.

Die Stuttgarter Zeitung hat ihn vor vielen Jahren als legitimen Nachfolger von Thaddäus Troll bezeichnet. Aus diesem Schatten ist der Literat unter den Mundartdichtern lange
herausgetreten. Keiner hat wie er die schwäbische Dialektik auf den Punkt gebracht:

"Ha sag amol, schwätz doch net raus! Komm, gang mr weg! Voll leer essa sollsch! Schrei Du ruhig! Mach Du ruhig Dein Saukrach! S’isch jetzt sowieso afanga Zeit, dass da Schluß machsch, siehsch wie’s schtenkt! Des Allbachene isch obacha bacha, do hendr’s aber oheimlich heimelich, do hend’rs aber elend guat! Des isch au ganz schee wiascht! Do ben e scho mal zwoimol reigfloga! Do isch überhautpt uff dr ganza Linie alles onder em Schtrich! Du i be heit ganz halblebig!"

Keiner hat so böse schmunzelnd doppelbödig, blitzgescheite Texte und Gedichte verfasst, bei denen man beim Hören und Lesen immer wieder etwas entdeckt, einen neuen Blickwinkel, eine andere Schichtung.

Als der Schwäbische Albverein 1998 das 150jährige Jubiläum von 1848 mit der Nachwanderung des Zwetschgenfeldzuges beging, hat er auf dem Marktplatz in Balingen eine begeisternde, Gottlieb Rau nachempfundene Rede gehalten. In den letzten beiden Jahren hat er die inzwischen auf die stattliche Zahl von 10 Mundartbühnen angewachsenen Bemühungen des Schwäbischen Albvereins unterstützt, schwäbischen Nachwuchskünstlern ein Sprungbrett zu bieten. Oft hat er, wenn es finanziell eng war, auf seine Gage ganz oder teilweise verzichtet und so geholfen neue Mundartbühnen nachhaltig zu etablieren. Auch hier wieder selbstloser Idealist.

Der Schwäbische Albverein verleiht auf der Burg Teck am 6.7.2002 durch seinen Vorsitzenden des Kulturrates Manfred Stingel erstmals die Sebastian-Sailer-Medaille für sein Lebenswerk dem Schriftsteller- und Mundartautor Helmut Pfisterer."

Für den Kulturrat des Schwäbischen Albvereins,
Bereich Mundart

Helmut Eberhard Pfitzer


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    Manfred Rommel (geb. 1928)

Manfred Rommel während des Mundartspektakels
   
Natürlich denkt man bei Manfred Rommel zuerst an den allseits respektierten ehemaligen Bürgermeister von Stuttgart. Doch nicht nur politisch, auch sprachkünstlerisch hat er viel geleistet. Schon im Berufsleben hielt er nie mit seinem Dialekt hinter dem Berg und würzte auch auf Bundesebene manches Bonmot mit schwäbischem Zungenschlag. Im Ruhestand startete er dann eine erfolgreiche zweite Karriere als Mundartautor, der mit seinen Gedichten ebenso zu punkten weiß wie mit Asterix-Übersetzungen.

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    Fritz Schray (geb. 1928) und
Egon Rieble (geb. 1925)


   
Fritz Schray wurde als Mundartdichter durch das Radio berühmt: Fünf Jahre lang präsentierte er im „Morgenradio“ des damaligen SWF regelmäßig seine Verse. Entsprechend beliebt sind seine Gedichtbände wie „Uf em Bänkle“ oder „Gsälzbrot und Bärlauch“. Seine Heimatliebe zeigt sich nicht nur in seiner aktiven Pflege des Dialekts, sondern auch in seiner langjährigen Tätigkeit als Kulturwart des Schwäbischen Albvereins.

Egon Rieble schafft, was nicht vielen Mundart-Autoren gelingt: den Spagat zwischen Dialekt und Hochkultur. Der ehemalige Kulturreferent der Stadt Rottweil ist trotz fortgeschrittenen Alters auf den Mundartbühnen höchst präsent und gilt als feinsinniger Dichter. Besonderes Aufsehen erregte er mit seinem Band „Guck au, dr Gabriel“, einem schwäbischen Kunstführer zu Kulturzeugnissen des oberen Neckars.

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